Heute Abend gehe ich feierlich zu meinem neuen Rhythmus über: Ich möchte jetzt wirklich jeden oder zumindest jeden zweiten Tag (oder so) schreiben, was so ganz aktuell los war. Die chronologischen Berichte zur Frühgeschichte sind mit der Hausbesetzung abgeschlossen, und werden jetzt nur noch von thematischen Reflexionen ergänzt werden, so wie ich Zeit habe.
Jetzt also weiter. Weiter deshalb, weil zwei lange Wochenenden, erst Ostern und dann der Nationalfeiertag, der Stadt eine Art Erstarrung eingebracht haben. Für mich sind die ersten Aktivitäten, die ich aufgenommen habe, die Treffen mit meinem neuen Tandem Fabio gewesen. er ist sehr nett, 27 Jahre alt und schon fast fertig mit studieren, hat in Deutschland seine Diplomarbeit (auf englisch) geschrieben und auch sonst ganz flott unterwegs. Wenn ich ihn auf der Piazza treffe, treffen wir zusammen immer eine Menge Leute, die er seit er nach Deutschland ging nicht gesehen hat (er ist ganz frisch zurück) und es geht ganz lustig zu. Ein bisschen beschwert er sich über den Verfall der Sitten hier in Padova, und die hiesige Jugend …
So sollte der „Spritz“ als Aperitiv eigentlich um sechs am Abend getrunken werden, und früher war das auch so. Heute trifft man sich dazu um zehn, und anstelle der Gaumenfreude ist der einfachere Rausch getreten, was man dem Gebräu wohl auch anmerkt. Allerdings greift hier demnächst auch die Stadtverwaltung ein und legt einen maximalen Alkoholgehalt fest, verbunden mit anderen Jugendschutzauflagen.
Abgesehen von den Begegnungen mit seinen Freunden ist Fabio naheliegenderweise sehr heiß darauf, Deutsch zu sprechen, und ich muss schauen, wie ich da mein Italienisch dazwischen schiebe. Und ich muss mir überlegen, ob ich seinem Drängen nachgeben will, ihn mit den deutschen Mädchen hier bekannt zu machen… Nochvielmehr, als ich seit gestern weiß, dass seine recht langjährige Beziehung durch achtmonatige Abwesenheit schon ziemlich zerrüttet ist.
Ansonsten bringt der zweite „Periodo“ des Semesters mir einen neuen Stundenplan (bald übrigens auch eine Prüfung aus der ersten Hälfte, ohje) mit ganz neuen Fächern. Ich habe diesmal Ethologie gewählt, ohne so recht zu wissen, was das sein soll (wer mag kann ja mal googeln oder wikipediaen und mir dann schreiben). Es entpuppt sich in der Praxis als Evolutionspsychologie, mit großem Augenmerk auf der Entstehung der sexualitätsbezogenen Funktionen und Verhaltensweisen des Menschen. In der Radikalität mir bisher noch unbekannt, ist es schon recht spannend, aber wie alle diese biologischen Dinge auch ein wenig trist.
Die geisteswissenschaftliche Seite genehmige ich mir mit der Soziologie der Kommunikation. Da wird vom feinsten auf qualitativen Methoden bestanden, eine nette Professorin mittleren Alters spricht ohne Mikrofon, so dass ich mich gezwungenermaßen (für das Italienisch brauche ich immer eine größere Lautstärke) fast immer in der ersten Reihe wiederfinde. So kann ich immerhin darauf aufmerksam machen, dass es nicht nur Studentinnen gibt - in dem Kurs bin ich der einzige Mann…
Abschließend sei noch kurz das Bild erklärt. Man sieht mich auf meinem Ex-Fahrrad. Zum einen war es mir sichtlich zu klein, so dass meine Knie sehr dankbar für das größere Fahrrad aus Deutschland sind. Zum anderen wurde dem netten Kommilitonen, der mir das Fahrrad günstig verkauft hatte, seines gestohlen, kurz nachdem ich mein neues bekommen hatte. Also habe ich jetzt entgegen meinen Plänen kein Notfall-Fahrrad. Aber danken wir Gott, dass einem niemand die Füße stehlen kann! (Im Gegensatz beispielsweise zu den Nieren, aber ich merke schon, mir kommen blöde Assoziationen)
Wegen der langen Pause (und für ein besseres zielgruppenorientiertes Marketing…) möchte ich an dieser Stelle auch mal wieder um ein kleines Feed-Back bitten. Wer liest mich denn noch, was gefällt, was nicht?