Über eine Woche seit dem letzten Eintrag, und dabei habe ich noch viel nachzuholen! Auf der anderen Seite muss ich ja auch nicht die ganze Geschichte durcherzählen. Nach den ersten Tagen bietet es sich ohnehin an, eher nach Thema als chronologisch zu schreiben, und das lässt sich vielleicht zwischen aktuelles mischen...
Zunächst aber wieder etwas aktuelles: Die verpasste Woche war wirklich eine Art Loch, Nicole und ich waren beide, ein wenig abwechselnd, praktisch krank. Nur praktisch deshalb, weil wir immer wieder einige klare Tage hatten, aus denen aber nicht so richtig etwas herauszuholen war. Für meinen Teil hat mir das eine gewaltige Unruhe gebracht. Ich fühle mich in meinem Fortschritt des Spracherwerbs gehemmt, und auch sonst habe ich ein bisschen den Anschluss an das Leben hier verloren - wobei die Erasmi auch sehr kurzlebig unterwegs sind. Davon aber bei einem gesonderten Eintrag mehr. Immerhin habe ich in Bezug auf die italienischen Kommilitonen nicht so viel verpasst, denn die sind bis Dienstag im Prüfungsstress. Das ist der Alptraum jedes Bachelor-Master-geplagten: Die Semester noch mal halbiert, und immer und immer und immer Prüfungen. Da bleibt das Leben wirklich auf der Strecke!
So knapp, so gut. Jetzt noch einmal ganz zurück: Nicole und ich waren zusammen zum Wohnheim gegangen, aber Nicole blieb draußen. Wir haben uns vorm Pförtner gefürchtet, und so brachte nur ich das Gepäck von Nicole rein, als wäre es meines. Auch dabei schon fühlte ich mich kritisch beäugt.
Dann ging es in die Stadt, um unsere Optionen auszuleuchten, zuerst wieder zurück zu den netten Damen von SASSA. Die waren etwas irritiert von unserer spontanen Beichte, lieber zusammen wohnen zu wollen, aber dennoch sehr hilfsbereit. Ein merkwürdiger Strudel von Andenken, Abwägen und Verwerfen im schwachen Englisch der beiden (aber immer noch besser als unser Italienisch damals) folgte. Im Rückblick wirkt dieser Tag endlos lang. Schließlich waren wir über die Kosten informiert, den Wohnheimplatz zurückzuweisen. Durch einen denkwürdigen Zufall war gerade ein Angebot für ein Apartment eingegangen, recht teuer, aber gut gelegen und für unserer Münchner Verhältnisse auch sehr geräumig. Wir hatten aber an dem Preis so zu arbeiten, dass wir lieber noch mal weiterschauen wollten. Auf jeden Fall ließen wir eine Besichtigung arrangieren.
Dann zogen wir durch die Stadt, in allen Fakultätsgebäuden nach der studentischen Alternative zur Kleinanzeige Ausschau haltend: Wilde Zettel, an alle Wände geklebt, halb abgerissen und durchgeweicht. Natürlich fanden sich auch einige lesbare, und brachten uns zwei frühe Einsichten ins studentische Leben in Padova: Erstens sind sich die Studenten hier nicht zu schade, zu zweit oder teilweise sogar zu dritt in einem Zimmer zu wohnen und so gigantische WGs zu errichten. Zweitens (und wohl ein Grund von erstens) sind die Mieten hier so hoch, dass selbst für so einen Bettplatz (“posto letto“ …) gerne mal über zweihundert Euro fällig sind, plus Spesen …
Wir hatten dann zwei halbwegs ansprechende Anzeigen gefunden, an den angegebenen Nummern aber niemanden erreicht und hofften also auf das versprochene Apartment. Wie sich glücklicherweise herausstellte zu Recht.
Aber zuerst verbrachten wir noch eine Nacht voller Ungewissheit im Wohnheimzimmer, in das wir uns so schnell und so selbstverständlich wie möglich am Pförtner vorbei hineinschlichen. Der weitere Verlauf der Nacht hat durchaus auch einige Worte verdient, aber morgen.