Gerade auf dem Weg nach Warschau, und damit mitten drin in einer abenteuerlichen Zugfahrt von (Pausen beim Umsteigen eingeschlossen) Siebzehneinhalb Stunden, und in Vorbereitung auf eine hoffentlich abenteuerliche Zeit dort lohnt sich ein kurzer Rückblick auf die Vergangenen zwei Wochen, die alles in allem von einem gemütlichen Strom der Dinge gekennzeichnet waren. Auf das Wochenende mit Stephen Hawking folgte ein Uni-Woche, die mittlerweile ja doch mehr Zeit und Energie in Anspruch nehmen, als ich mir erwartet hatte. In diesem Periodo schließt das auch den Freitag ein, an dem ich um die Mittagessenszeit herum (als kleine Vergeltung dafür, die denkbar blödeste Zeit von halb Zwölf bis nach Zwei gewählt zu haben, muss die Professorin mir in der Pause beim Vespern zusehen…) an abgehobenen Gedanken zur Soziologie der Kommunikation teilhabe. Danach also schnell schon wieder ein Wochenende, an dem wir wieder das Messegelände aufgesucht haben, diesmal für eine Schau der versammelten Industrie und des Handels aus der gesamten Umgebung (davon ein Bild oben). Ganz lustig, aber natürlich nicht so verschieden von dem, was man bei uns sieht. Dann haben wir dort noch die „100%-Animalisti“ aufgesucht, allerdings wohl zu einer zu frühen Zeit, denn an dem leeren Stand war nur ein Mann, der eigentlich nett, aber doch viel mehr an seinem Handy als an uns interessiert war.
Abgesehen davon (und auch damit) erweisen sich Wochenenden irgendwie regelmäßig als Zeitlöcher, die für die geringen nennbaren Aktivitäten viel zu schnell vorbei sind. Man mag sich damit entschuldigen, dass vielleicht die Erholung einen größeren Rahmen braucht, als man gewohnt ist. Allerdings wäre es doch schön, die Wochenaktivitäten besser weiterzuführen. Wobei damit ein Problem des gesamten ERASMUS berührt ist, auf das ich ein Andermal ausführlich eingehen möchte.
Die nächste Woche war insofern eine Kurze, als ich Nicole Donnerstag nächtlich zum Bahnhof bringen musste. Wie erwartet geriet mein Schlafrhythmus danach etwas ins Ungleichgewicht, was sich aber zu der spät beginnenden und lange dauernden Terrassenparty der Camilla am Samstag gut fügte. Diese war eine angenehme Gelegenheit, mein langsam richtig gutes Italienisch weiter zu schleifen, allerdings könnte ich mich länglich über die anwesenden Wohlstandskinder, ihre Modeaccessoires und ihre Gedankenwelten und Sorgen auslassen - belasse es aber bei diesen Andeutungen.
Obwohl ich also spät ins Bett gegangen war, und obwohl mein Schlafkonto ohnehin schon ein wenig überzogen war, traf ich am Sonntag früh zur üblichen Kirchenzeit um Zehn wieder einmal die lokale Kommunistengruppe. Dass ich mich zu diesem Ereignis mit tatsächlich nicht geringem religiösem Charakter aufraffte lag entscheidend an der Art, wie die Leute dort im Grenzgebiet zwischen nett und hartnäckigem mit telefonischen Erinnerungen arbeiten… Auch am Montag Abend war ich nochmal dort, um mit einem der Leute etwas zu reden. Ich habe zugesagt, nach der Polen-Woche zu kommen und kleine Zusammenfassungen von deutschen Zeitungs- und Spiegel-Artikeln zu machen. Eine klare Win-Win-Sache, weil ich übe Italienisch und erfahre, was zu Hause los ist, während die Datenbank dort sich füllt. Man darf jetzt natürlich keinesfalls schließen, ich wäre auf einer Linie mit deren politischen Überzeugungen, wobei ich Einiges nachdenkenswert finde - immerhin so sehr, dass ich noch ein kleines Politik-Spotlight bloggen werde.
Jetzt bin ich schon bei der Nacht zu heute, in der mir aufgrund von mangelhafter Planung vorher (man darf mich trotzdem bedauern!) und weil ich um halb Fünf aus dem Bett musste nur drei Stunden Schlaf gegönnt waren. Immerhin konnte ich unterwegs etwas nachholen (dazu unten noch ein Spezial-Bild) und bin offensichtlich schon wieder fit genug zum Schreiben.